Mittwoch, 1. Juli 2015

Bank IX

August - 2013 - August

Donnerstag, 18. Juni 2015

Planning

Quelle: www.xkcd.com

"Autopilot" als Erklärung warum Menschen die Kontrolle über ihr Leben an Google und Facebook übergeben (nachdem sie selbst Atomwaffen usw. gebaut haben). Wie großartig ist DAS denn?

Sonntag, 7. Juni 2015

Zitat

Do you think it's healthy to obsessively collect things? Can't connet with other people so you fill your life with stuff.

aus Ghost World

Montag, 1. Juni 2015

Bank VIII

Juni - 2013 - June

Samstag, 30. Mai 2015

Bernard Sumner: Halbgare Autobio

New Order ist eine seltsame Band. Diese merkwürdige Mischung aus Rock und Elektronik klang und klingt noch immer ungewohnt. Dennoch kennt man ziemlich viele ihrer Singles, auch wenn diese (bis auf "Blue Monday") in Deutschland nie wirklich in den Charts gelandet sind. Na, und dann erst Joy Division! Diese Band umgibt eine geheimnisvolle Aura, schon allein wegen Ian Curtis. Da möchte man doch gern mal hinter die Kulissen schauen - oder? Na klar, und Bernard Sumners Autobiographie verspricht dazu nicht weniger als "die ganze Wahrheit" (Klappentext).

Doch schon ziemlich zu Anfang rudert Sumner selbst zurück. Er schreibt er sei ein zurückgezogener Typ, der nur selten Einblick in sein Privatleben gewährt hätte. Tja, und das ändert sich mit diesem Buch auch nicht (um es gleich vorweg zu nehmen). Klar, saftige Details wie Sex, Drugs und Rock'n'Roll erwartet man hier ohnehin nicht, obwohl es zu einigen Eskapaden in den letzten 30 Jahren gekommen ist, was nicht zuletzt auch zu gesundheitlichen Problemen bei ihm geführt hat. Aber das, und im Grunde auch den ganzen Rest, wird in dem gut 300seitigen Buch nur angerissen. Nach der Lektüre ist man kaum schlauer als nach einem 10seitigen Special im deutschen Rolling Stone, zumindest was einen echten Blick hinter die Kulissen angeht. 

Bernard Sumner wächst in eher nicht so privilegierten Verhältnissen in Manchester auf. Er lernt Peter Hook kennen und interessiert sich für Kunst. Offenbar ist er auch begabt, doch seine Familie möchte ihn nicht als Studenten sehen. Er soll Geld verdienen und kommt so zu ersten Jobs, immerhin in einer Werbeagentur. Nach dem berüchtigten Auftritt der Sex Pistols in der Lesser Free Trade Hall (wo neben der Keimzelle von Joy Division auch die Keimzellen von The Fall, The Smiths, Simply Red und vermutlich noch 100 anderen wichtigen britischen Bands anwesend waren) wird schließlich beschlossen eine Band zu gründen, und wie bei Queen oder U2 ist es Zettel an einer Pinnwand (hier: im Plattenladen) der schließlich den Ball ins Rollen bringt. Ian Curtis meldet sich und bald ist die Band komplett.

Spätestens nach diesem Einstieg werden die Beschreibungen von Sumner immer vager, er will und/oder kann keinen tieferen Blick in sein Innerstes gewähren. Der Selbstmord von Ian Curtis dürfte für ihn ein einschneidendes Erlebnis gewesen sein. Doch der Absatz in dem er via Telephon die traurige Nachricht erhält ist nicht einmal eine halbe Seite lang - und die Beschreibung wie er sich danach gefühlt hat nimmt gerade sieben Zeilen in Anspruch. So geht es dann munter weiter: Immer wieder werden kleine Anekdoten eingestreut (wie z. B. die wo -zig Leute im Aufzug standen um zu einer Party zu gelangen und niemand den Knopf gedrückt hat), doch wenn es zu einem interessanten Theman kommt wird dieses sehr distanziert (fast als sei er selbst gar nicht dabeigewesen) abgehandelt. Das gilt auch für fast alle Personen, insbesondere jedoch für Bandmitglieder (bis auf Peter Hook). Gillian Gilbert beispielsweise wird laut Register gerade auf 11 Seiten erwähnt, ihr Ausstieg (krankheitsbedingt) bei New Order wird erst erwähnt als sie bei der Band wieder einsteigt. Sein eigenes Privatleben bleibt komplett außen vor, eine erste Ehe wird in einem Satz erwähnt, die Söhne erscheinen zwei- oder dreimal in dem Buch und seine zweite Frau Sarah kommt auch nur sehr selten vor. Wie und wo sie sich kennengelernt haben bleibt ebenso im Dunkeln wie die Hintergründe der finanziellen Schwierigkeiten von Factory Records (die nur angedeutet werden) oder beispielsweise die Entscheidung von Joy Division keine Singles auf den Alben zu haben - eine Veröffentlichungspraxis die Ende der 1970er schon ziemlich 'out' gewesen ist. 

Nein, man erfährt insgesamt erschreckend wenig auf diesen 300 Seiten, und wenn man kein genauer Kenner der Veröffentlichungen von New Order ist steht man gelegentlich etwas auf verlorenem Posten da, denn weder werden sämtliche Alben erwähnt noch wird konsequent chronologisch erzählt. Letzteres wäre nicht so schlimm, wenn häufiger zumindest eine Jahreszahl genannt werden würde. So aber bleibt am Ende die Frage wieso sich Bernard Sumner die Mühe (?) gemacht hat seine Geschichte aufzuschreiben. Vielleicht ist es doch irgendwie die Trauer über die zerbrochene Freundschaft zu Peter Hook. Vielleicht hatte er auch einfach gerade nichts besseres zu tun. Wer jedenfalls kein großer Fan der genannten Bands ist hat sicher bessseres zu tun als diese halbgare Autobiographie zu lesen.


Bernard Sumner: New Order, Joy Division Und Ich (Koch International, Hannibal: ISBN 978-3-85445-471-7)